“We want to de-dehumanize street kids”

IMG_4840Um der negativen Darstellung syrischer Flüchtlinge in der politisch-geprägten Presse entgegenzuwirken, widmet sich Samer Beyhum als eigenständiger Filmproduzent und Regisseur dieser Thematik. Samer, der derzeit als Dozent an der LAU tätig ist, ist Mitgründer der unabhängigen Medienorganisation 99Media in Kanada. In seinen Produktionen konzentriert er sich vor allem darauf, über gesellschaftliche Missstände und soziale Ungleichheit zu berichten. Einige seiner Werke thematisieren die syrische Revolution, die Situation von Geflüchteten, aber auch Geschehnisse rund um die Occupy-Bewegung in Kanada.

Samers aktuelles Projekt, der Dokumentarfilm “Maram”, beschäftigt sich mit Kindern, die in Beiruts Stadtteil Hamra auf der Straße leben. Im Zentrum steht die 11-jährige Maram, die Nacht für Nacht auf den Straßen Hamras Rosen verkauft. Vor einigen Jahren kamen Maram und ihre Familie aus Syrien nach Beirut, die Einnahmen aus dem Rosenverkauf dienen den Eltern als finanzielle Unterstützung. Die Geschichte von Maram ist keinesfalls ein Einzelschicksal, denn jede Nacht versuchen viele Kinder in Hamra, zu Geld zu kommen. Samer meint, dass etwa 70% von ihnen aus Syrien geflohen sind, der Großteil ist jedoch ohne ihre Familien nach Beirut gekommen. Die Bewohner Hamras ignorieren und missbilligen die Straßenkinder weitgehend. Für Samer ist dieses Verhalten nicht vertretbar: “These kids should be in school, not on the street”. Zudem können viele der Kinder das Geld, das sie verdienen, selbst nicht nutzen, da sie lediglich organisierten Banden als “Geldeintreiber” dienen. Trotz dieses düsteren Hintergrunds wirkt die Dokumentation über Maram nicht bedrückend. Er wolle kein Mitleid bei den Zuschauern erwecken, betont Samer. Vielmehr möchte er den vielen Straßenkindern eine Stimme geben, indem er über ihre Wünsche und Lebensziele berichtet: “We want to de-dehumanize street kids”.

“Maram” veranlasste Studierende der LAU dazu, im Rahmen eines PR-Kurses ein Projekt zu entwickeln, um das Image von Geflüchteten, insbesondere Kindern, die auf der Straße leben, innerhalb der Bevölkerung zu verbessern. Weil viele NGOs nicht zur Kooperation bereit waren, entwickelten sie ein Experiment: Maram wird an die Straßenkinder Zettel verteilen, auf denen sie ihre Zukunftswünsche festhalten sollen. Diese Zettel werden anschließend auf dem LAU-Campus verteilt. Jeden Tag wird einer davon ausgewählt und die Studierenden werden dazu aufgefordert, zu beschreiben, wie sie sich gefühlt haben, als sie von den Träumen der Kinder erfahren haben. Ähnlich wie Samer möchten auch die Teilnehmenden des PR-Kurses die Geschichten der Kinder in Hamra erzählen und ein Bewusstsein dafür wecken, dass auch sie Träume und eigene Vorstellungen vom Leben haben.
Bisher wurde “Maram” ausschließlich auf Filmfestivals gezeigt und unter anderem bei spanischen und italienischen Aufführungen. International berührt Marams Schicksal also. Es bleibt abzuwarten, ob die Geschichte des kleinen Mädchens auch innerhalb der libanesischen Bevölkerung so positiv aufgenommen wird. Ansätze für Diskussionen bietet sie in jedem Fall.

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